Wer kann welche Studienkosten und in welcher Höhe in seiner Steuererklärung ansetzen und worin liegt der wichtige Unterschied zwischen einer Erstausbildung und einer zweiten Ausbildung.

 
Erstausbildung:
zum Beispiel die erste Ausbildung oder das erste Studium für das Erlernen eines künftigen
Berufs. Diese Kosten sind nach Auffassung der Finanzverwaltung Sonderausgaben und nicht
als Verluste erklärbar. Diese Sonderausgaben können nur im Jahr Ihrer Entstehung maximal
bis zu 6.000 € jährlich angesetzt werden.
 
Fazit: kein Verlustvortrag möglich
 
Zweitausbildung:
Jede sich daran anschließende Ausbildung wird mit ihren Kosten in uneingeschränkter Höhe als Fort- oder Weiterbildungskosten angesetzt und kann, wenn die Kosten höher waren als die steuerpflichtigen Einnahmen (als HIWI, Praktikant, Azubi, Angestellter), als steuerlicher Verlust erklärt werden.


Anmerkung: Minijob-Einnahmen sowie Einnahmen für den Lebensunterhalt aus BAFÖG/Stipendium zählen nicht als steuerpflichtige Einnahmen und kürzen nicht den Kostenansatz.

 
Voraussetzung: Die vorangegangene, erste Ausbildung hat mindestens 12 Monate gedauert und wurde mit einer Prüfung abgeschlossen. Ebenfalls sollte zwischen der zweiten Ausbildung ein nachweisbarer Zusammenhang zum jetzigen bzw. dem späteren Beruf bestehen.
 
Fazit: Verlustvortrag möglich
 
Gegen die Unterscheidung zwischen erste Ausbildungskosten (als Sonderausgaben) und den Kosten für eine Zweitausbildung liegt dem Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde vor (siehe hierzu auch das BFH- Aktenzeichen VI R 2/12, VI R8/12).
 
Mit einer endgültigen Entscheidung kann erst ab dem Jahr 2018 gerechnet werden.
 
Bis zur endgültigen Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht, sollten alle Studierenden für vergangene Jahre eine Einkommensteuererklärung bei dem zuständigen Finanzamt abgeben.
 
Diese Kosten kannst du in deiner Steuererklärung ansetzen:
• Die Anschaffung von Arbeitsmitteln („Laptop“, „Büromaterial“)
• Fachliteraturkosten
• Kosten für die die täglichen Fahrten zur UNI (nur die einfache Wegstrecke)
• Kosten für ein Semesterticket
• Studiengebühren
• Kosten für Auslandssemester (Flugkosten, Unterkunftskosten...)
• Kosten für die Fahrten zur Lern- und Arbeitsgemeinschaft (Hin- und Rückfahrt)
• Kosten für Studienreisen, Praktika, Exkursionen
• Kosten für die Zinszahlungen eines Studiendarlehens (nicht jedoch die Tilgung)
 
• Kosten der doppelten Haushaltsführung
 
Für deine Zweitwohnung / WG-Zimmer am Studienort!
 
Das geht nur dann, wenn du neben deiner Studentenwohnung am Ausbildungsort mit deinem Hauptwohnsitz (an dem du deinen Lebensmittelpunkt wegen der Freunde + Familie hast) gemeldet bist und dort mindestens zehn Prozent der laufenden Kosten (Miete, Nebenkosten, Lebensmittel etc.) mit bezahlst. => sogenannte Kostbeteiligung.
 
Das solltest du per Kontoauszug nachweisen können. Somit per Dauerauftrag diese Zahlungen vornehmen lassen.
 
Fazit I: Erstwohnsitz „zu Hause“ + Zweitwohnsitz am Studienort Mittels vorhandener Belege (zB: Meldebescheinigung des Erstwohnsitzes, Bahntickets bzw. Tankquittungen (als Nachweis für deine regelmäßigen Wochenendbesuche) solltest du die Nachweise erbringen können.
 
Fazit II: Falls du als Student (oder Auszubildender) kostenlos ein Zimmer bei den Eltern hast, kannst du keinen Zweitwohnsitz am Studienort als Werbungskosten absetzen.

abschließender Hinweis:

Unabhängig von der Thematik der verlustvortragsfähigen Studienkosten „ja oder nein“, sollte sich jede Studierende, die jährlich steuerpflichtige nichtselbstständige Einnahmen und deren Arbeitgeber Lohnsteuer an das Finanzamt gezahlt hatte, im Rahmen einer Einkommensteuererklärung die einbehaltene Lohnsteuer vom Finanzamt zurück erstatten lassen.

Wir vom ACLV AACHENER Lohn- und Einkommensteuerhilfe e.V. (www.aclv.de) sind einfach via E-mail (info@aclv.de) jederzeit erreichbar. 

Wir stehen beratend das ganze Jahr zur Verfügung, erstellen die Einkommensteuererklärung (gem. § 4 Nr. 11 StBerG) sowie die Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags und sind Ansprechpartner gegenüber dem zuständigen Finanzamt – und das ab einem Jahresmitgliedsbeitrag in Höhe ab 20,00 € (bei Gesamtjahresbruttoeinnahmen von weniger als 5.000,00 €).