Für welche Fortbildungsmaßnahmen gilt die lohnenswerte, jährliche Erstellung einer Einkommensteuererklärung?!

  • das Erststudium nach vorheriger abgeschlossener Berufsausbildung
  • das duale Studium, wenn das Erststudium Teil eines Dienstverhältnisses ist (oft bei Berufsakademien und Fachhochschulen der öffentlichen Verwaltung)
  • das Zweitstudium
  • das Zweitstudium – der Master-Studiengang nach dem Bachelor-Abschluss, sofern das Studium auf eine berufliche Tätigkeit vorbereitet. (Dies gilt somit nicht, wenn ein Politikwissenschaftler rein aus privatem Interesse Architektur studiert.)
  • ein Master of Law-Studium
  • die Umschulungsmaßnahme
  • die Qualifizierungsmaßnahme („Meister“, „Fachwirt-Lehrgang“, oder „Anpassungsfortbildungen zum „Auffrischen“ der bereits erworbenen Fähigkeiten)
  • Promotionskosten

Diese Studienkosten (= Fortbildungsmaßnahmen siehe Aufstellung oben) können als Werbungskosten in der jährlich zu erstellenden Einkommensteuererklärung erklärt werden. Ein sich dadurch ergebender Kostenüberhang (Werbungskosten > Gesamteinnahmen = Verlustvortrag) wird jährlich auf Antrag festgestellt und kann im ersten Jahr der Beschäftigung nach einem Studium verrechnet werden.

Zahlenbeispiel zur Sinnhaftigkeit der Erstellung einer Einkommensteuererklärung:

die Studierende hatte jährlich keine oder geringe steuerpflichtigen Einnahmen (!Minijob-Einnahmen bis 450 € sowie Einnahmen für den Lebensunterhalt aus BAFÖG/Stipendium zählen nicht !“ => sozialversicherungspflichtige HIWI-Jobs oder Praktikum dagegen schon !), jedoch demgegenüber jedes Jahr höhere Studienkosten (als Werbungskosten) als Einnahmen. Im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung kann sie somit jährlich einen Kostenüberhang = Verlust bei dem zuständigen Finanzamt erklären und dadurch bis zum Ende des Studiums Studienkosten in Höhe von beispielsweise insgesamt 10.000,00 € als sogenannter Verlustvortrag ansammeln (2.000 € jährlicher Kostenüberhang x 5 Jahre Studium) werden.  

 

Im ersten Jahr der Beschäftigung nach dem Studium kann sie diese angesammelten Kosten (= Verlustvortrag => 10.000 €) mit den positiven Einkünften aus der Erstbeschäftigung als Arbeitnehmerin verrechnen.  

 

Bei einem Steuersatz (im ersten Jahr der Beschäftigung nach dem Studium) von bspw. 30 % könnte sie alleine durch die zuvor vorgenommene Verlustansammlung (von insgesamt 10.000 €) 3.000,00 € als Steuererstattung vom Finanzamt erwarten.

Tipps:

Welche nachzuweisenden Kosten kann ich zum Beispiel in der Einkommensteuererklärung geltend machen: 

  • Die Anschaffung von Arbeitsmitteln („Laptop“, „Büromaterial“) 
  • Fachliteraturkosten
  • Kosten für die die täglichen Fahrten zur UNI (einfache Wegstrecke ab dem Jahr 2014)
  • Kosten der doppelten Haushaltsführung
  • (beachte neue Gesetzeslage ab dem 1.1.2014!)
  • Kosten für ein Semesterticket
  • Studiengebühren
  • Kosten für Auslandssemester (Flugkosten, Unterkunftskosten…)
  • Kosten für die Fahrten zur Lerngemeinschaft

Beachte:

Der BAFÖG-(oder Stipendium)Anteil der steuer- und rückzahlungsfreien Zuschüsse, die für die Anschaffung von Arbeitsmitteln oder zur Finanzierung der Fahrtkosten gezahlt werden sowie steuerpflichtige Einnahmen (der Bruttoarbeitslohn gemäß der jeweiligen Lohnsteuerbescheinigung eines Jahres) mindern die Höhe der jährlich abzugsfähigen Werbungskosten und somit gleichzeitig den eventuell entstandenen Verlust.

Eine Anrechnung auf die Ausbildungskosten unterbleibt bei steuerfreien Bezügen, die ausschließlich oder teilweise zur Deckung des Lebensunterhalts bestimmt (z.B. Schüler- und Studenten-BAföG nach § 12 und § 13 BAföG, Ausbildungsbeihilfen nach § 59 Nr. 3 SGB III, Unterhaltsgeld nach §§ 77, 153 SGB III) sind.

Beispielsweise würde ein rückzahlungsfreier, jährlicher BAFÖG – Zuschuss für die Anschaffung von Arbeitsmittel oder die Zahlung von ausländischen Studiengebühren in Höhe von jährlich 7.200,00 € die jährlich angefallenen Studienkosten von bspw. 7.000,00 € aufzehren. (kein Kostenüberhang!)

 

wichtige Info: 

sehr wahrscheinlich ergeht erst im Jahr 2017 eine Entscheidung vom Bundesgerichtshof über die Abzugsfähigkeit von Kosten für die Erstausbildung.

 

hier noch Meldungen zum derzeitigen Rechtsstand:

 

…Urteil vom 05.11.2014 zum Thema Steuererklärung für Studierende:

Der Bundesfinanzhof (6.Senat) ist der Meinung, dass auch das Erststudium als Werbungskosten in der jeweiligen Steuererklärung geltend gemacht werden und somit unter bestimmten Voraussetzung ein Verlustvortrag bis ins erste Jahr der Erstbeschäftigung zur Verrechnung vorgetragen werden darf.  

 

unsere Empfehlung:

Bis zur endgültigen Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht, sollten alle Studierenden für vergangene Jahre eine Einkommensteuererklärung bei dem zuständigen Finanzamt abgeben. 

 

Sollte das Finanzamt mit dem Ansatz als Werbungskosten in dem Steuerbescheid nicht einverstanden sein, sollte ein Einspruch mit einem Antrag auf Ruhen des Verfahrens bis zur endgültigen Entscheidung eingelegt bzw. auch mit beantragt werden.

...Urteil vom 05.11.2013 (VIII R 22/12) hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass Aufwendungen für ein Studium, welches eine Erstausbildung vermittelt und nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet, nicht als vorweggenommene Betriebsausgaben / Werbungskosten abziehbar sind.  

Studierende, die direkt nach ihrem (Fach-) Abitur mit ihrem Studium begonnen haben, können sämtliche Studienkosten für ihren „Bachelor-Studiengang“ nur im Jahr der Verausgabung steuerlich als Sonderausgaben (> 6.000,00 €) geltend machen, nicht jedoch als Werbungskosten erklären. Das heißt, diese Studienkosten „verpuffen“ im Jahr der Zahlung und können nicht als sogenannter Verlust vorgetragen werden.

abschließender Hinweis:

Unabhängig von der Thematik der verlustvortragsfähigen Studienkosten „ja oder nein“, sollte sich jede Studierende, die jährlich steuerpflichtige nichtselbstständige Einnahmen und deren Arbeitgeber Lohnsteuer an das Finanzamt gezahlt hatte, im Rahmen einer Einkommensteuererklärung die einbehaltene Lohnsteuer vom Finanzamt zurück erstatten lassen.

Wir vom ACLV AACHENER Lohn- und Einkommensteuerhilfe e.V. (www.aclv.de) sind einfach via E-mail (info@aclv.de) jederzeit erreichbar. 

Wir stehen beratend das ganze Jahr zur Verfügung, erstellen die Einkommensteuererklärung (gem. § 4 Nr. 11 StBerG) sowie die Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags und sind Ansprechpartner gegenüber dem zuständigen Finanzamt – und das ab einem Jahresmitgliedsbeitrag in Höhe ab 20,00 € (bei Gesamtjahresbruttoeinnahmen von weniger als 5.000,00 €).